Monatsspruch November 2021

Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus.

(2. Thessalonicher 3,5)

„Na, wie läuft’s denn so?“ Mit diesen Worten fragen Menschen einander, wie es denn so geht, mit den alltäglichen und vielleicht auch größeren Aufgaben und Zukunftsprojekten. Hätte man dem Apostel Paulus und seinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen diese Frage gestellt, so hätten sie wohl geantwortet: „Brüder und Schwestern, betet für uns, dass das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde wie bei euch.“

Mit dieser Antwort jedenfalls setzt der Abschnitt ein, aus dem der Monatsspruch stammt (2Thess 3,1). Und man ahnt es schon: Es gibt Schwierigkeiten. Viele Jahre, vielleicht gar Jahrzehnte sind seit dem Weggang Jesu von dieser Erde vergangen. Die Apostelgeschichte des Lukas berichtet vom „Lauf“ des Evangeliums, von Widerständen und Zurückweisungen, auch von gelegentlichen Erfolgen und lokalen Aufbrüchen. Doch die Ausbreitung des Evangeliums ist weniger eine Apostelgeschichte. Sie ist eher eine Missionsgeschichte und auch eine Problemgeschichte. Das ist längst klar geworden. Nüchtern steht in der Mitte des Abschnitts der zum Sprichwort gewordene Ausspruch: „Der Glaube ist nicht jedermanns Ding“ (2Thess 3,2). – „Ja, fürwahr“, möchte man seufzen. So ist das wohl. Während die frühchristlichen Missionare und Missionarinnen sich weiterhin eifrig mühten, das Evangelium „laufen“ zu lassen, „läuft“ es bis in die Gegenwart wirklich nicht immer gut. Gelegentlich sieht es gar so aus, als ob gar nichts „läuft“. Zeiten des missionarischen und gemeindlichen Stillstands sind manchmal zum Weglaufen.

Das war damals nicht anders als heute. Was soll man in einer solchen Situation tun? Die Antwort ist klar: Sich auf das Wesentliche konzentrieren. Konkret heißt das: Sich ganz tief drinnen, da, wo das Herz des Glaubens immer noch am rechten Fleck sitzt, vom Herrn auf Gott ausrichten lassen, der uns zuerst geliebt hat, und auf Christus warten, der uns entgegenkommt. Damit ist die Richtung weiterhin eindeutig. Es geht immer wieder neu darum, sich auf den Weg der Liebe Gottes stellen zu lassen: Auf den Weg, auf dem gute Beziehungen wachsen; auf dem das Wort Gottes gut „läuft“ und Menschen erreicht; auf dem Unbekannte zu Nächsten werden und Feindschaft überwunden werden kann. Auf diesem Weg wird Gottes Treue erfahrbar, und er wird uns „stärken und bewahren vor dem Bösen“ (2Thess 3,3). Das ist der „Lauf“ des Glaubens, aber noch nicht das Ziel. Wir warten nicht einfach auf bessere Zeiten, sondern auf Christus, dass er in unser Leben kommt, schon hier und jetzt und dann einmal in der Herrlichkeit seines Reiches. Von dort „läuft“ uns schon jetzt sein Wort entgegen und weist uns den Weg.

Prof. Dr. Carsten Claußen

Theologische Hochschule Elstal